Die Straßenbauunternehmen Pietro Pali und Antonio Talacchini aus der Lombardei führten innerhalb von knapp fünf Jahren die drei Baulose der Hochalpenstraße in solider Weise aus. Im Oktober 1825, nach etwas mehr als fünf jähriger Bauzeit, konnte die ganze Straßenstrekke Bormio-Spondinig dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Die Gesamtlänge der Stilfser-Joch-Straße beträgt 49,2435 km, von Spondinig bis zur Passhöhe 27.450 km, von dort bis Bormio 21,7935 km.
Die erste Strecke hat 48 Kehren, die zweite 34 und eine Mindestbreite von fünf Metern. Die Höchststeigung beträgt elf Prozent, zwischen Spondinig und der Passhöhe (2758 m) sind 1900 Höhenmeter zu bewältigen, weitere 1500 bis Bormio (1223 m). In einer mit äußerster Perfektion durchgeführten Berechnung, wenn wir uns das äußerst schwierige, abschüssige und hängende Moränengelände auf der Südtiroler Seite, andererseits die engen Schluchten im Felsenmassiv des Brauliotales vor Augen halten, konnte Donegani eine mit einer maximalen Steigung von nur 11,3 an der Nord- und neun Prozent an der Südrampe angelegte Straßenführung in Serpentinen, also Kehren, die 180 Grad Radius aufwiesen, ausführen. Aufschüttungen, kilometerlange Trockenmauer- und Kalkmauerkonstruktionen, sowohl an der Berg- als auch an der Talseite, wuchtige Stützpfeiler an den 82 Kehren, Brücken mittlerer Spannweite, Galerien, Geländer und Begrenzungssteine wurden meisterhaft angelegt. Auch mussten Beton- oder Steinrinnen für die Ableitung des Schmelzwassers, sowohl in der Straße selbst als auch dann im Böschungsbereich, eingefügt werden, zahlreiche Quellgewässer mussten unterführt werden, schließlich wurden Holzgalerien für die wintersichere Fahrstraße hergestellt.
Durchwegs waren 1000, zeitweise auch 2000 Arbeiter beschäftigt. Sie hatten kaum technische Hilfsmittel zur Verfügung und stellten etwa zehn Kilometer Straßenstrecke in der Zeit zwischen Juni und November her. Fuhrleute, Gastwirte, Schmiede, Bauhandwerker und Hilfsarbeiter aus der Gegend konnten einen einträglichen Nebenverdienst erwerben. Durch Lawinen, Steinschläge, Erdrutsche sowie erodierendes Material wurden immer wieder Straßenstücke beschädigt, die Fahrbahn durch kleinere Rinnsale, durch Bodenfrost, durch Wind und Sturm aufgerissen, dennoch muss der auch heute noch beachtenswerte Gesamtzustand und die Festigkeit der Trassenführung hervorgehoben werden.
Auf der Seite der Lombardei, zwischen Bagni Vecchi und der zweiten Cantoniera, wurden sechs Galerien errichtet, teilweise in den Felsen gehauen, teils mit Mauern konstruiert. Die längste Galerie maß 450 Meter. Im obersten Teil, etwa vier Kilometer unterm Joch, wies die Straße zwei Fahrbahnen auf, eine bergseits für den Winter, die mit dicken Lärchenbrettern (Bohlen) überdacht war, die andere talseits, für die schneefreien Monate. Durch die serpentinenförmige Anlage der 180-Grad-Kehren, der so genannten "Rieden", erreichte man eine geringe Steigung zur Höhenüberwindung, der Pferdewagenverkehr kam mit einem Radius von zehn Metern aus, durch Erweiterungsbauten im 20. Jahrhundert wurde es ermöglicht, dass auch kleinere Linienbusse die Straße befahren können.
Jede der 48 Kehren auf Südtiroler Seite wurde mit einem besonderen Namen im Laufe der Zeit gekennzeichnet, so etwa Edelweißried, Flöckenried, Wassertalried, Lahner, Schlagried, Tartscher Ried, Kanzlried, Kreßried, Almried, Kalkofenried, Plaisried, Kapselried, Knottried, Schaftalried, Valaina-Ried, das süße Löchl, das Jüngste Gericht usw. |