Die strategische Wichtigkeit des Vorhabens lässt sich in der Zusammensetzung der zum Studium des Projektes und zur Vornahme von Erhebungen und Messungen eingesetzten Kommission ablesen: Neben Technikern und Beamten der Landesregierungen saßen auch der Direktor des Festungsbezirks in Innsbruck sowie ein Vertreter des Generalstabes zu Mailand im Gremium.
Die militärischen Interessen trugen auch dazu bei, dass die Passstraße bei einem maximalen Aufwand an Personal in Rekordzeit von nur fünf Jahren - gebaut wurde in den Sommermonaten von Juni bis Oktober - fertiggestellt werden konnte. Beim Bau waren zeitweise über 2000 Arbeiter beschäftigt. Militärstrategische Beweggründe waren auch ausschlaggebend, die Passstraße in den Wintermonaten offen zu halten. Diese Regelung bestand bis 1859, als die Lombardei an Piemont abgetreten werden musste. Zur militärischen Sicherung der Straßenverbindung stand übrigens ein eigener Kasernenbau im Bereich Franzenshöhe zur Verfügung, der eigens für diesen Zweck errichtet worden war.
Waren es zunächst die Militärs, die eine Lanze für den Bau der Stilfser-Joch-Straße brachen, so wandelte sich deren Einstellung nach dem Frieden von Zürich (1859), als das Stilfser Joch zum Grenzpass wurde. Die Militärs sahen nun die Passstraße als mögliches Einfallstor für einen Feind aus dem Süden an, weshalb vor allem das Militär für eine Auflassung der Straße eintrat. Da dies jedoch nicht erfolgte, ging man an die weitere militärische Sicherung der Straße.
In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand zu diesem Zweck die "Straßensperre Gomagoi". Die Festung hatte die Aufgabe, die Zugänge nach Trafoi und ins Suldental zu kontrollieren und einem aus dem Süden kommenden Feind den Weg zu versperren. Die Friedensbesatzung der mit Geschützen armierten Festung bestand aus elf Mann, die allmonatlich von Bozen aus abgelöst wurden und unter dem Kommando eines Artillerie-Unteroffiziers standen.
Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Festung noch durch Feldstellungen im Bereich Kleinboden verstärkt. Maschinengewehrstände, Infanteriekampflinien, armierte Batterien, Magazine und Unterkunftsgebäude waren dort ab 1912 entstanden. Zudem ließ die Brixner K. u. k. Geniedirektion eine eigene Erschließungsstraße von Stilfs herauf anlegen. |